Luxemburg (HELVILUX) – Im Herzen Europas, dort wo Innovation auf Industrie trifft, hat eine bemerkenswerte Zusammenarbeit still und leise die Welt des Stahlbaus revolutioniert. Was 2010 als gezielte Partnerschaft zwischen der Universität Luxemburg und ArcelorMittal Luxemburg begann, ist inzwischen zu einer der einflussreichsten Industrie-Akademie-Allianzen des Großherzogtums herangewachsen. Im Februar 2026 feiert die Partnerschaft 15 Jahre gemeinsame Vision – kürzlich wurde sie sogar bis 2030 verlängert, was noch größere Fortschritte in nachhaltiger Bauweise verspricht. Angesichts des wachsenden globalen Drucks für umweltfreundliches Bauen gehen die Partner voran, indem sie akademische Expertise mit industrieller Stärke verbinden, um Bauwerke zu schaffen, die nicht nur stärker, sondern auch intelligenter und grüner sind.
Die Entstehung einer stahlstarken Verbindung

Alles begann 2010, als ArcelorMittal Luxemburg und die Universität Luxemburg den ArcelorMittal Lehrstuhl für Stahlbau einrichteten. Ziel war die Förderung von Lehre und Forschung im Bereich Stahl- und Verbundbau, mit Fokus auf hochleistungsfähige Bauwerke und innovative Gestaltungsregeln. Seit 2011 wird der Lehrstuhl von Professor Christoph Odenbreit geleitet, einem renommierten Experten für Stahl- und Verbundkonstruktionen, und ist seither ein zentraler Ort für die Erforschung des Stahlbaus von morgen.
Bis 2020 stellte ArcelorMittal über 1,6 Millionen Euro an frühen Fördermitteln bereit, was bahnbrechende Arbeiten an High-Tech-Strukturen, hochfesten Stählen und grünen Bautechniken ermöglichte. Die Partnerschaft wurde 2020 erneuert, mit dem Schwerpunkt auf Kreislaufwirtschaft, um den CO₂-Fußabdruck von Bauwerken zu minimieren. Ein zentrales Ziel war die Entwicklung modularer Stahlsysteme, die einfach demontierbar und wiederverwendbar sind, sodass Bauteile wie Stahlträger ohne Verlust ihrer Eigenschaften erneut genutzt werden können. Wie Prof. Odenbreit damals erklärte: „Prinzipiell haben Stahlträger keine begrenzte Lebensdauer. Nach 30 Jahren kann man sie wiederverwenden, und sie besitzen dann dieselben Eigenschaften wie am ersten Tag – vorausgesetzt, sie werden korrekt behandelt.“
2023 wurde die Zusammenarbeit erneut bis 2025 verlängert, mit verstärktem Engagement für Nachhaltigkeit. In dieser Phase lag der Fokus auf der Integration von Holz mit Stahl zu effizienten grünen Bauwerken sowie auf Beiträgen zu europäischen Normen wie Eurocode 4. Michel Wurth, Vorsitzender von ArcelorMittal Luxemburg, lobte die „Nähe zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“ als Quelle gegenseitiger Bereicherung, die die Vorstellung energieeffizienter und nachhaltiger Gebäude ermöglicht.
Der jüngste Meilenstein wurde am 12. Februar 2026 erreicht, als die Partnerschaft bis 2030 verlängert wurde. Die Unterzeichnungszeremonie wurde von Prof. Odenbreit, Michel Wurth und Jean-Luc Thirion, CEO von ArcelorMittal Global R&D, begleitet. Diese Erneuerung unterstreicht die gemeinsame Ambition, Forschung in Stahlmaterialwissenschaft, Kreislaufwirtschaft und KI-gesteuerten Bauprozessen voranzutreiben.
Pionierprojekte und preisgekrönte Innovationen

Im Laufe der Jahre hat die Zusammenarbeit greifbare Ergebnisse in Form hochkarätiger Projekte und Auszeichnungen hervorgebracht, die den realen Impact verdeutlichen. Ein Highlight ist der „Petite Maison“ Pavilion, ein gemeinsames Architekturprojekt, das 2021 im Rahmen von Esch2022 – Europäische Kulturhauptstadt gestartet wurde. In Esch-Belval, Luxemburg, zeigt dieses Demonstrationsgebäude Kreislaufprinzipien im Bauwesen, insbesondere durch wiederverwendbare Stahlkonstruktionen. Dank modularer Stahlträger und Verbindungen kann das Gebäude leicht demontiert und wieder aufgebaut werden, wodurch Abfall und Emissionen erheblich reduziert werden. 2023 erhielt Doktorand Shahin Sayyareh für seine Arbeit über den Petite Maison Pavilion den Eurosteel-Preis, der seine innovative Herangehensweise an tragende Strukturen würdigte.
Ein weiterer Durchbruch betrifft Holz-Stahl-Verbindungen, wo Forschung an Stahl-Holz-Verbundträgern (STC) betrieben wurde. Diese Hybridsysteme nutzen neuartige Schubverbinder, um eine Verbundwirkung zwischen Stahl und Holz zu ermöglichen, was die Demontierbarkeit und Wiederverwendbarkeit fördert. 2024 erhielten Prof. Odenbreit und Dr. Alfredo Romero den Innovation of the Year Award auf der Constructsteel Annual Conference für ihre Arbeit an diesen Verbindungen, die Nachhaltigkeit durch die Kombination der Stärke von Stahl mit den Umweltvorteilen von Holz erhöhen. Experimentelle Tests an STC-Trägern in Originalgröße zeigten hohe Tragfähigkeit, Duktilität und minimale Schäden an den Verbindern, wodurch wiederverwendbare Bodensysteme möglich werden.
Das Team des Lehrstuhls, einschließlich leitender Forscher wie Oliver Hechler und Renata Obiala sowie über einem Dutzend Doktoranden, trug auch zu Projekten wie dem Luxemburg-Pavillon auf der Expo 2020 Dubai bei, wobei Prinzipien der Kreislaufwirtschaft auf internationaler Bühne umgesetzt wurden. Zahlreiche Auszeichnungen ergänzen die Liste, von Prof. Odenbreits „Outstanding Mentor“-Ehrung 2022 bis zu Dr. Maciej Chrzanowskis FNR-Preis 2020 für seine Dissertation über Schubübertragung in Verbundstützen.
Nachhaltigkeit und globaler Einfluss

Im Kern geht es in dieser Partnerschaft darum, die Umweltprobleme der Bauindustrie zu lösen. Stahl, ein Material, das sich ideal für Kreislaufwirtschaft eignet, wird neu gedacht, um kohlenstoffarme Bauwerke und null Emissionen zu unterstützen. Durch modulare Designs, digitale Zwillinge zur Bauteilverfolgung und standardisierte Datenbanken reduziert die Zusammenarbeit Treibhausgase und fördert eine Kreislaufwirtschaft.
Der Einfluss reicht über Luxemburg hinaus. Durch Engagement in Gremien wie CEN und ECCS beeinflussen die Forschungsergebnisse europäische Standards und sichern eine breitere Umsetzung nachhaltiger Praktiken. ArcelorMittal, der weltweit zweitgrößte Stahlproduzent mit Wurzeln in Luxemburg, profitiert von frischen Talenten – mehrere Doktoranden des Lehrstuhls arbeiten inzwischen im Unternehmen – während die Universität reale Anwendungen für ihre Forschung erhält.

Wie Prof. Jens Kreisel, Rektor der Universität Luxemburg, 2023 betonte: „Der Lehrstuhl spiegelt die Vision der Universität Luxemburg wider: auf die Bedürfnisse der Gesellschaft zu reagieren und zur gesellschaftlichen, kulturellen, technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen.“ Gleichzeitig lobt Olivier Vassart, CEO von Steligence© bei ArcelorMittal, die Zusammenarbeit für innovative Konzepte wie ganzheitliche nachhaltige Bauansätze.
Ausblick: Die Welt von morgen bauen

Mit der Verlängerung bis 2030 sieht die Zukunft vielversprechend aus. Prioritäten sind die Vertiefung von Kreislaufwirtschaft, KI-gesteuerten Bauprozessen und kohlenstoffarmen Innovationen. Angesichts der wachsenden globalen Nachfrage nach verantwortungsvollem Bauen positioniert diese Allianz Luxemburg als Zentrum für fortschrittliche Stahltechnologien und inspiriert ähnliche Partnerschaften weltweit.
In den Worten von Prof. Odenbreit: „Ich bin stolz auf unsere langjährige und vertrauensvolle Partnerschaft mit ArcelorMittal… Mit der heutigen Unterzeichnung freue ich mich, dass wir weiterhin Wege für eine nachhaltige und innovative Zukunft im Bauwesen gestalten können.“ Fünfzehn Jahre später zeigt diese Zusammenarbeit nicht nur Beständigkeit, sondern auch Entwicklung – ein Beweis dafür, dass, wenn Wissenschaft und Industrie zusammenkommen, das Ergebnis so stark ist wie Stahl.






