Belval (HELVILUX) — Was als ruhiges Warten auf den ersten Morgenzug gedacht war, entwickelte sich für einen Anwohner zu einer beunruhigenden Erfahrung und zu einem Beispiel für Sicherheitslücken im öffentlichen Verkehr in Luxemburg.
Nach Informationen von Helvilux kehrte der Mann nach einer After-Party in Belval nach Hause zurück am 17 Januar, verpasste jedoch den letzten Zug. Er entschied sich daher, die Nacht im neu eingerichteten Warteraum des Bahnhofs Belval Universitéit zu verbringen, einer kürzlich von der CFL eröffneten Einrichtung.
Erschöpft von der Feier setzte er sich hin und schlief ein. Als er wieder aufwachte, war sein Mobiltelefon verschwunden – offenbar aus der Jackentasche entwendet von einer unbekannten Person, die bereits geflohen war.

3 CCTV installiert – aber außer Betrieb
Der Betroffene begab sich umgehend zum CFL-Büro im Bahnhof, um den Vorfall zu melden. Dort erhielt er jedoch eine ernüchternde Information: Die im Warteraum installierte CCTV-Kamera war zum Zeitpunkt des Diebstahls nicht funktionsfähig.
Anschließend erstattete er Anzeige wegen einfachen Diebstahls bei der Polizeidienststelle Esch-sur-Alzette. Über seinen Laptop konnte er zudem den letzten bekannten Standort seines Mobiltelefons in der Nähe des Bahnhofs Belval Universitéit ausfindig machen – ein Hinweis, der ohne Videoaufnahmen jedoch nur begrenzten Ermittlungswert hat.

Es geht nicht um das Telefon
Gegenüber Helvilux machte der Mann deutlich, dass sein Ärger weit über den materiellen Verlust hinausgeht.
“Es geht nicht um ein 200- oder 500-Euro-Handy“, sagte er, “Es geht darum, dass Diebstähle in Luxemburg – besonders im Raum Esch – zunehmen und solche Fälle offenbar nicht ernst genommen werden. Die Polizei hat meine Anzeige aufgenommen, aber echtes Interesse war kaum spürbar.“
Auch die CFL geriet in seine Kritik, insbesondere wegen der nicht funktionierenden Kamera.
“Fahrgäste halten sich in den Räumlichkeiten der CFL in gutem Glauben auf. Wenn man dann erfährt, dass die CCTV nicht funktioniert, stellt sich die Frage: Wer trägt dafür die Verantwortung? Und wie viele Kameras an anderen Bahnhöfen sind ebenfalls nur Attrappen?“

Eine größere Sicherheitsfrage
Der Betroffene stellte zudem eine deutlich schwerwiegendere Frage: Was wäre gewesen, wenn es sich nicht um einen Diebstahl, sondern um einen körperlichen Angriff oder ein schweres Verbrechen gehandelt hätte?
“Wenn dort etwas Ernstes passiert wäre – wer hätte dann die Verantwortung getragen? Eine nicht funktionierende Überwachungskamera ist kein gutes Zeichen für die Sicherheit der Fahrgäste.“
Er bestätigte, dass er inzwischen mit einem Anwalt in Kontakt steht und eine zivilrechtliche Klage gegen die CFL prüft. Seine Argumentation: Wenn Fahrgäste wegen Verspätungen, kurzfristiger Zugausfälle oder nächtlicher Wartezeiten gezwungen sind, sich auf Bahnhöfen aufzuhalten, müsse der Betreiber sicherstellen, dass alle Sicherheitssysteme zuverlässig funktionieren.
Ersatzbusse ohne Kameras?
Das Helvilux-Investigativteam hat zudem festgestellt, dass bei Zugausfällen eingesetzte Ersatzbusse teilweise nicht mit CCTV-Kameras ausgestattet sind ein weiterer Punkt, der Fragen zur einheitlichen Umsetzung von Sicherheitsstandards aufwirft.
Warum sind diese Busse nicht mit Kameras ausgestattet? Weshalb scheint Videoüberwachung bei Ersatzverkehren optional zu sein? Auch diese Fragen bleiben bislang unbeantwortet.
CFL schweigt – vorerst
Helvilux hat die CFL um eine offizielle Stellungnahme sowohl zum CCTV-Ausfall am Bahnhof Belval als auch zu den fehlenden Kameras in einigen Ersatzbussen gebeten. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag keine Antwort vor. Im Sinne einer fairen und ausgewogenen Berichterstattung wird eine nachträglich eingehende Stellungnahme ergänzt.
Für die vielen Menschen, die täglich auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind, ist der Vorfall eine deutliche Erinnerung: Moderne Infrastruktur allein reicht nicht aus ohne funktionierende Sicherheitssysteme kann Vertrauen ebenso schnell verloren gehen wie ein Handy in der Nacht.
